Yang Sheng - die Pflege des Lebens in der Chinesischen Medizin

Yangsheng bedeutet wörtlich " das Leben pflegen". Der Begriff bezeichnet eine alte chinesische Tradition der Lebenspflege, deren Gedanken sich sowohl in frühen medizinischen Schriften als auch in philosophischen Traditionen Chinas finden. Eine bedeutende Grundlage bildet das Huangdi Neijing, der " Innere Klassiker des Gelben Kaisers", eines der grundlegenden Werke der Chinesischen Medizin.
Bereits in diesen frühen medizinischen Vorstellungen findet sich ein wesentlicher Gedanke: Gesundheit soll nicht ausschliesslich dann Beachtung finden, wenn Krankheit entstanden ist. Auch Lebensführung und Vorsorge haben ihren eigenen Stellenwert.
LEBEN IM ZUSAMMENSPIEL VON YIN UND YAND
Die Chinesische Medizin beschreibt den Menschen als ein dynamisches Zusammenspiel körperlicher und geistig emotionaler Vorgänge. Qi, Yin und Yang gehören zu den grundlegenden Begriffen, mit denen diese Zusammenhänge traditionell beschrieben werden.
Für Yangsheng bedeutet dies unter anderem, Aktivität und Ruhe, Belastung und Regeneration in ein angemessenes Verhältnis zu bringen und unterschiedliche Bedürfnisse im Verlauf des Lebens zu berücksichtigen. Auch der Wandel der Jahreszeiten findet Beachtung. Lebensweise und Ernährung können den jahreszeitlichen Veränderungen entsprechend angepasst werden.
ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND REGENERATION
Die chinesische Ernährungslehre bietet eine Möglichkeit, Yangsheng unmittelbar im Alltag umzusetzen. Neben der Auswahl der Lebensmittel spielen spielen Zubereitung, Bekömmlichkeit und die individuelle Situation eine Rolle.
Qigong verbindet Bewegung, Atmung und geistige Aufmerksamkeit. Regelmässiges Üben ermöglicht eine aktive Form der Selbstfürsorge. Ebenso haben Schlaf und ausreichende Erholung ihren festen Platz und unterstützen die notwendige Regeneration.
EMOTIONEN ALS TEIL DER LEBENSPFLEGE
Auch der Umgang mit Emotionen gehört zu Yangsheng. Freude, Ärger, Sorge, Trauer und Angst sind natürliche Bestandteile des menschlichen Lebens. In der Chinesischen Medizin gelten Körper und Emotionen als eng miteinander verbunden. Lang anhaltende oder besonders intensive emotionale Belastungen können dieses Zusammenspiel beeinträchtigten.
Zur Lebenspflege gehört deshalb auch, die eigene emotionale Verfassung wahrzunehmen und auf anhaltende Belastungen mit angemessenem Ausgleich und Erholung zu reagieren.
GESUND ÄLTER WERDEN
Auch in anderen Teilen der Welt finden sich Lebensweisen, die mit einem hohen Alter bei möglichst guter Gesundheit in Verbindung gebracht werden. Bekannt geworden sind die fünf sogenannten Blue Zones, Okinawa in Japan, Sardinien in Italien, Ikaria in Griechenland, die Nicoya Halbinsel in Costa Rica und Loma Linda in Kalifornien.
trotz ihrer kulturellen Unterschiede werden dort einige Gemeinsamkeiten beschreiben, natürliche Bewegung im Alltag, traditionell geprägte Ernährung, soziale Verbundenheit, Erholung sowie Sinn und Aufgabe im Leben. Auf Okinawa spielt beispielsweise Ikigai, der persönliche Sinn und Wert des Lebens, eine wichtige Rolle, in Nicoya findet sich mit Plan de Vida ebenfalls die Vorstellung von Lebenssinn und Aufgabe.
Diese Lebensweisen sind nicht mit Yangsheng gleichzusetzen. Sie zeigen jedoch, dass die Frage nach einem gesunden Älterwerden in unterschiedlichen Kulturen ihren eigenen Ausdruck gefunden hat.
YANGSHENG ALS VORSORGE
Ein zentraler Gedanke von Yangsheng ist, der Gesundheit nicht erst dann Aufmerksamkeit zu schenken, wenn Beschwerden entstehen. Die Pflege des Lebens setzt früher an und begleitet den Menschen durch unterschiedliche Lebensphasen.
Dabei geht es nicht, das Älterwerden aufzuhalten. Vielmehr geht es darum, körperliches und geistiges Wohlbefinden zu bewahren und die eigene Gesundheit über die Jahre bewusst zu pflegen. So wird Vorsorge zu einem selbstverständlichen Teil der Lebensführung mit dem Ziel, möglichst gesund und mit guter Lebensqualität älter zu werden.




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