Den Geist befreien, das Herz öffnen
- Bertha Gloor

- 30. Juni
- 2 Min. Lesezeit
Inspiriert von den Belehrungen von Tulku Lobsang
Wir Menschen leben oft so, als hätten wir der unendlich Zeit. Wir beschäftigen uns mit der Vergangenheit, tragen Erinnerungen und alte Geschichten mit uns oder verlieren uns in Gedanken über eine Zukunft, die wir kontrollieren möchten.
Doch in Wahrheit wissen wir nicht, ob es überhaupt ein Morgen geben wird. Das Leben existiert immer nur in diesem gegenwärtigen Augenblick.
Mit unserer menschlichen Geburt beginnt bereits der Prozess der Vergänglichkeit. In dem Moment, in dem wir geborenwerden, entsteht auch die Ursache des Todes. Diese Wahrheit soll uns keine Angst machen. Sie erinnert uns vielmehr daran, wie kostbar dieses menschliche Leben wirklich ist. Gerade weil nichts von Dauer ist, sollten wir lernen jeden einzelnen Tag bewusst zu leben und jeden Tag unser Bestes zu geben.
Ein grosser Teil des menschlichen Leidens entsteht, weil wir ständig versuchen festzuhalten. Wir hängen an Vorstellungen, an Sicherheiten, an Gewohnheiten und an dem Wunsch, das Leben kontrollieren zu können. Daraus entstehen Angst und innere Unruhe. Doch wirkliche Sicherheit existiert nicht Aussen. Die Zukunft ist ungewiss und die Vergangenheit ist bereits vergangen. Es gibt nur diesen einen Tag.
Jede Nacht erinnert uns das Leben an diese Wahrheit. Im Schlaf geben wir unsere Kontrolle ab, unser gewöhnliches Bewusstsein tritt zurück und wir erfahren für einige Stunden ein natürliches Loslassen. Deshalb kann der Schlaf wie ein kleiner Tod verstanden werden. Und jedes Erwachen ist wie eine neue Geburt. Wenn unser Geist voller Unruhe ist, voller Sorgen, Erwartungen oder Anhaftung, verlieren wir die Fähigkeit tief zu ruhen. Ein ruhiger Geist ist deshalb eine wichtige Grundlage für Gesundheit und inneren Frieden.
In der heutigen Welt leben viele Menschen in Angst, weil sie sich vom Leben und voneinander getrent fühlen.
Wenn wir Mitgefühl nicht entwickeln, beginnt sich unser Herz zu verschliessen. Doch Mitgefühl ist nicht nur eine Haltung gegenüber anderen Menschen. Mitgefühl verändert zuerst unseren eigenen Geist. Es hilft uns, die enge Sicht des Ego loszulassen und erinnert uns darab, dass wir miteinander verbunden sind.
Auch Karma entsteht in jedem einzelnen Moment unseres Lebens. Wenn wir etwas Materielles geben, besitzen wir es danach vielleicht nicht mehr. Doch wenn wir aus echter Grosszügigkeit handeln, erschaffen wir eine innere Qualität in unserem Bewusstsein. Jede Handlung hinterlässt Spüren und formt unseren Geist. So erschaffen wir durch unsere Gedanken, Worte und Taten fortwährend Ursachen, die Wirkungen hervorbringen.
Viele Menschen glauben, sie seien frei. Doch solange wir von unseren Ängsten, Gewohnheiten, Begierden und automatischen Gedanken beherrst werden, bleiben wir Gefangene unseres eigenen Geistes.
Wahre Freiheit beginnt dort, wo wir lernen unseren Geist zu erkennen und nicht länger von ihm kontrolliert zu werden.
Wahrer Mut bedeutet deshalb nicht, gegen die Welt zu kämpfen. Wahrer Mut bedeutet, ehrlich hinzuschauen, die Realität der Vergänglichkeit anzunehmen, Mitgefühl zu entwickeln und jeden Tag bewusst zu leben.
Dieses kostbare menschliche Leben ist begrenzt. Nimand weiss, wie viele Tage uns gegeben sind. Gerade deshalb liegt unsere wichtigste Aufgabe darin, diesen Tag bewusst zu nutzen, unser Herz offen zu halten und nicht zu vergessen, dass das Leben immer nur jetzt stattfindet.




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